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Patienteninformation Spezielles Strahlenbiologie und Nebenwirkungen
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RT Vesna am Beschleuniger
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  Strahlenbiologie und Nebenwirkungen

Die lange Therapiedauer ergibt sich aus der Strahlenbiologie. Ein Haupteffekt der Strahlentherapie beruht darauf, dass sich Tumorzellen sehr rasch teilen (bei aggressiven Tumoren sind Tumorverdoppelungszeiten von 4-36 Tagen bekannt). In dieser Zellteilung sind die Zellen aber sehr strahlensensibel und sterben auf die Strahlung ab. Es sind aber nie alle Tumorzellen in dieser gleichen Zellteilung, deshalb sind viele einzelne Bestrahlungen notwendig, die so hoch dosiert sein sollen, dass die Tumorzellen absterben, das Normalgewebe aber nicht.
Das Normalgewebe teilt sich wesentlich langsamer, stirbt nicht ab, kann aber normale Reaktionen auf die Bestrahlung zeigen. Da diese Reaktionen aber nicht erwünscht sind, nennen wir sie Nebenwirkungen.

Wir kennen allgemeine und örtliche, sowie akute, subakute und chronische Nebenwirkungen.

Allgemeine Nebenwirkungen hängen mehr oder weniger vom Bestrahlungsvolumen ab. Diese treten bei kleinen Bestrahlungsvolumina (wie z.B. Prostatabestrahlung) fast nie auf. Allgemeinreaktionen auf die Bestrahlung wären Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Appetitlosigkeit oder leichte Übelkeit; besser bekannt als „Strahlenkater“.

Örtliche Nebenwirkungen sind abhängig davon, welche Körperregion zu bestrahlen ist. Wichtig ist, dass die Reaktionen immer im Bestrahlungsvolumen ablaufen, nicht außerhalb! So treten z.B. bei Bestrahlung im Brustbereich keine strahlenbedingte Knieschmerzen auf, und umgekehrt. Wir kennen:

Akute Nebenwirkungen: treten während der Bestrahlungszeit auf;

Subakute Nebenwirkungen: in den ersten 6 Wochen bis 6 Monaten nach Beendigung der Therapie zu beobachten;

chronische Nebenwirkungen: sind selten, treten ab 6 Monaten nach Beendigung der Therapie auf, oftmals bleibend.


ad) Akute Nebenwirkungen:
Im Vordergrund stehen meistens Haut- und Schleimhautreaktionen, da sich diese Zellen am schnellsten teilen. Durch die Verwendung von Linearbeschleunigern und die Mehrfeldtechnik durch die 3-D-Bestrahlungsplanung kann die Haut im Vergleich zu früher viel besser geschont werden. Sie kann trotzdem mit Rötung und dünklerer Verfärbung (durch Anregung der Pigmentzelle) reagieren. An Stellen mit mechanischer Reizung (z.B. unter der Achsel) und Schweißabsonderung (Achsel, unter der Brust, Po-Falte) kann sie oberflächlich auch offen werden, was aber weiter ohne wesentliche Konsequenz bleibt, da dies komplikationslos abheilt (verhält sich wie eine Blase nach Sonnenbrand). Schleimhautreaktionen sind dagegen meist unangenehmer, da die Schleimhaut ihrer Funktion nicht mehr optimal nachkommen kann. Somit kann z.B. bei Bestrahlungen im HNO-Bereich Brennen im Mund, Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden oder Geschmackverminderung auftreten; bei Bestrahlungen im Bauchbereich Übelkeit, Sodbrennen, Durchfall, Enddarmreizung oder Blasenreizung.
Diese akuten Schleimhautreaktionen können oft recht gut behandelt werden, sodass das Beschwerdebild relativ gut erträglich bleibt. Die Beschwerden sind selbstverständlich dosisabhängig und vergehen von selbst wieder. Sollten Haare im Bestrahlungsfeld liegen, können diese - je nach Dosis - ausfallen, wachsen aber in aller Regel nach ca. 6 Monaten wieder weiter. Haare, die nicht im Bestrahlungsvolumen liegen, fallen nicht aus!

ad) Subakute Nebenwirkungen:
Sind wesentlich seltener, dazu gehören Wassereinlagerungen in Haut (z.B. nach Brustbestrahlung) und Schleimhäuten (z. B. Enddarm), Lungenreaktionen oder Durchfallsneigung. Diese Reaktionen werden bei der ersten Kontrolluntersuchung 6 Wochen nach Therapie-Ende erfasst und gegebenenfalls entsprechend behandelt werden.

ad) Chronische Nebenwirkungen:
Sind selten, treten in ca. 2-8% der Fälle trotz korrekter Durchführung der Strahlentherapie auf. Ein Sinn der regelmäßigen Nachsorgeuntersuchung ist die Erfassung dieser chronischen Nebenwirkungen, denn nur dadurch können Therapieformen weiter verbessert werden.

So kann z.B. die Haut fester und derber bleiben, ev. mit bleibender Wassereinlagerung; im Hochdosisbereich können auch kleinste, bleibende Blutgefässe einsprossen, die zwar harmlos, aber kosmetisch nicht erwünscht sind. Bei Gehirnbestrahlung könnte Vergesslichkeit oder Verlangsamung auftreten, im HNO-Bereich Mundtrockenheit und Geschmackverminderung bleiben, bei Lungenbestrahlung eine Vernarbung der Lunge bleiben, im Bauchbereich Durchfallsneigung persistieren. Es gibt auch sehr seltene Reaktionen, die zu selten sind um hier darauf einzugehen. Diese chronischen Nebenwirkungen können durch entsprechende Behandlungen aber auch oft gut erträglich gehalten werden.

Das Auftreten aller dieser akuten, subakuten und chronischen Nebenwirkungen hängt von Tumor- , Patienten- und Therapie-bedingten Faktoren ab.
Wo muss bestrahlt werden, was kann geschont werden, wie ist die individuelle Reaktion? Wie hoch ist die Eeinzeldosis, wie hoch die Gesamtdosis, die Patientenlagerung? Liegen beim Patienten Herz- oder Kreislauf-, Durchblutungsstörungen vor? Wie ist der Allgemein- und der Ernährungszustand? Liegen andere genetische Erkrankungen vor, die eine Strahlentherapie komplizieren? Erst nach Abschätzung all dieser Faktoren kann das entsprechende Risiko eingeschätzt werden. Sprechen Sie bitte darüber mit den zuständigen Radioonkologen, nicht mit „der alleswissenden Nachbarin“!

Was können Sie, bzw. der/die Patient/in zur Verhinderung dieser Reaktionen beitragen?

Halten Sie sich bitte an die Anweisungen ihres Radioonkologen. Während der Strahlentherapie-Zeit sollte die Haut prinzipiell schonen behandelt werden: Vermeiden sie thermische Reize (keine Sonnenexposition, kein heißes Wasser), mechanische Schädigung (keine zu engen Gürtel, BH’s, etc.), bitte nicht zu häufig waschen (1-2x/Woche und nur kurzzeitig und lau-warm), beim Abtrocknen tupfen und nicht reiben, verwenden sie im zu bestrahlenden Bereich keine Salben- oder Kosmetiakapflege. Kein oder nur minimaler Alkohol- oder Nikotinkonsum, da Darm- oder Blasenreizungen bzw. Durchblutungsverminderung und dadurch ev. schlechteres Tumoransprechen auftreten können. Darmreizungen durch scharfe Gewürze vermeiden.

So kann die Strahlentherapiezeit aller Erfahrung nach gut erträglich durchgehalten werden.

Bei Beschwerden melden Sie sich einfach bei den Radiologietechnologen/-innen (diese sehen sie jeden Tag beim Bestrahlen). Die RT's können sie ggf. an den Arzt oder die Krankenschwestern in der Ambulanz verweisen. Es ist wichtig etwaige Nebenwirkungen im Anfangsstadium zu behandeln (bitte nicht selbst irgendwelche Pflegeprodukte anwenden, sondern die vom Arzt verschriebenen verwenden!).


© Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft m.b.H (07.04.2010)
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