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Aktuell News Modernste Brustkrebsdiagnostik: Österreich-Premiere am LKH Feldkirch
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Modernste Diagnostik am LKH Feldkirch: erstmals in Österreich lässt sich mit dieser Methode das "genetische Risiko" für Metastasen sehr genau abschätzen.
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  Modernste Brustkrebsdiagnostik: Österreich-Premiere am LKH Feldkirch

Modernste Brustkrebsdiagnostik am Landeskrankenhaus Feldkirch ermöglicht optimale Prognosebestimmung und individualisierte medikamentöse Tumortherapie

In Vorarlberg erkranken jährlich ca. 250 Personen an Brustkrebs, jede 9. Frau ist in ihrem Leben davon betroffen. Während die operative Entfernung eines Tumors mit seinen Ausläufern und die Strahlentherapie bei fast jeder Patientin fixe Bestandteile im Behandlungsplan darstellen, stellt die Entscheidung für eine anschließende meist über Jahre dauernde, belastende und kostenintensive Hormon- und/oder Chemotherapie oft eine Herausforderung dar.

Diese medikamentöse Zusatztherapie, auch als adjuvante Therapie bezeichnet, soll eventuell bereits vorhandene Mikrometastasen in anderen Organen vernichten und  in ihrem weiteren Wachstum hemmen. Die Entscheidung für eine adjuvante Therapie hängt von der Prognose bzw. vom Risiko für bereits vorhandene Metastasen im Körper ab. Zum Zeitpunkt der Diagnose eines bösartigen Tumors kann bereits eine Aussaat von Tumorzellen stattgefunden haben,  was mit heutigen Untersuchungsmöglichkeiten nie sicher nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann.    

Tumorgröße, der Umstand, ob Lymphknoten tumorbesiedelt sind, der Bösartigkeitsgrad und das Ansprechen auf Hormone und so genannte Wachstumsfaktoren sind die in der täglichen Routine gängigen Beurteilungskriterien für die Beantwortung dieser für eine Betroffene so wichtigen Fragestellung.

Seit einigen Monaten haben wir am Landeskrankenhaus in Feldkirch durch Kontakte mit dem niederländischen Krebsinstitut in Amsterdam und in enger Zusammenarbeit mit dem pathologischen Institut am LKH Feldkirch im Rahmen einer Studie die Möglichkeit, durch genetische Analyse von Tumorgewebe bis zu 70 weitere molekularbiologische Eigenschaften des Tumors zu bestimmen, die es ermöglichen, viel präziser bei einer Patientin die Notwendigkeit einer medikamentösen Zusatztherapie festzulegen.

Mit Hilfe der bisherigen Kriterien müssen ca. 85% aller Patientinnen einer Hochrisikogruppe zugeordnet werden, die einer medikamentösen Nachbehandlung bedarf, mit Hilfe der Genexpressionsanalyse (MammaPrint) könnte dies in Zukunft auf 60% aller Betroffenen beschränkt bleiben. Somit könnten einerseits vielen Patientinnen Unannehmlichkeiten und Kosten erspart bleiben. Andererseits ermöglicht dieses Testverfahren auch Patienten zu erkennen, welche mittels der herkömmlichen Kriterien in eine gute Prognosegruppe fallen würden, aber aufgrund der genetischen Tumoranalyse von einer adjuvanten Therapie profitieren, welche sie ohne diese Untersuchung vielleicht nicht bekämen. Nicht nur beim Mammakarzinom, sondern bei vielen anderen Krebsarten werden Genexpressionsanalysen zukünftig Therapieentscheidungen maßgeblich optimieren. 

Für die adjuvante Hormontherapie stehen glücklicherweise seit ca. 30 Jahren Substanzen zur Verfügung, die ganz wesentlich zur Verbesserung der Heilungsrate beigetragen haben.  

Für Medikamente sind Unterschiede in der Verstoffwechslung beim einzelnen Menschen die Regel und nicht die Ausnahme. Alter und Ernährungszustand, Leber-, Nierenfunktion und Begleiterkrankungen sind Faktoren von Patientenseite, die der Behandler zu bewerten und abzustimmen hat.

Vererbte Unterschiede in der Verstoffwechslung sind verantwortlich für mehr oder weniger Wirksamkeit einer Therapie und auch von Nebenwirkungen und Arzneimittelwechselwirkungen. Der Hauptmetabolisierungsweg vieler Medikamente führt über  die sogenannten Cytochrom P-450-Monooxigenasen. Eine davon, CYP 2D6 metabolisiert Tamoxifen, ein Medikament das bei Patientinnen mit hormonsensiblem Brustkrebs angewandt wird. Durch dieses Enzym wird Tamoxifen in die wirksame Substanz Endoxifen übergeführt.

Der größte Teil der Bevölkerung metabolisiert effizient, 5 - 10 Prozent der kaukasischen (weissen) Bevölkerung nicht, Tamoxifen ist damit bei diesen Patientinnen nicht oder nur sehr eingeschränkt wirksam.  Auch außergewöhnlich schnelle „Metabolisierer“ sind in der Bevölkerung vorhanden, dies nimmt von den nordischen Ländern in den Süden zu, für Österreich sind keine Daten bekannt.

Zur besseren Versorgung und Therapie von Patientinnen mit Brustkrebs wird von der interdisziplinären Gruppe Onkologie Feldkirch (Chirurgie, Strahlentherapie, Interne) vor Behandlung der Metabolisierungstyp bestimmt. Dies ist für viele Medikamente aus anderen Bereichen (Blutdruckmittel, Schmerzmittel vom Morphintyp, Antidepressiva) auch von Relevanz.

Die Bestimmung der Metabolisierung im CYP 2D6 Gen ist wie die Genexpressionsanalyse eine molekulargenetische Untersuchung und unterliegt den Vorschriften des Gentechnikgesetzes.

Im Rahmen der Aufklärungsgespräche wird von betroffenen Patienten selbstverständlich die Erlaubnis zu diesen Untersuchungen eingeholt und über die Ergebnisse berichtet.

Dr. Michael Knauer, Facharzt für Chirurgie an der Abteilung für Allgemeinchirurgie (Leiter: Prim. Univ. Prof. Dr. E.Wenzl) verbrachte ein Forschungsjahr am niederländischen Krebsinstitut, wo er sich wissenschaftlich mit Tumorgenexpressionsanalysen beim Mammakarzinom befasste und diese Erkenntnisse für die Behandlung Vorarlberger Patientinnen anwenden kann.


© Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft m.b.H (22.11.2009)
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